ich und du in den Medien

Juliane Njankouo hat in den vergangenen Monaten in ihrer Funktion als Paarberaterin zahlreiche Auftritte in den Medien gehabt, u.a bei WDR 2, 1LIVE in der Radioshow von Kammel & Köhler sowie Interviews für den STERN gegeben. Die beiden Artikel aus dem Stern haben wir unten für Sie zum Lesen bereit gestellt.

Liebe im Lockdown

Wie die Coronakrise sich auf unser Beziehungsleben auswirkt

Ein Gespräch mit der Kölner Paar- und Trennungsberaterin Juliane Njankouo

 

Seit über einem Jahr stellt die Pandemie unser Leben auf den Kopf und die Liebe vor große Herausforderungen. Viele Paare verbringen deutlich mehr Zeit als sonst miteinander und versuchen dabei, sich nicht auf die Nerven zu gehen oder noch schlimmer: sich nicht zu trennen. Doch es gibt auch gute Chancen, die Krise unbeschadet zu überstehen.  

 

Kurzbiografie:

Juliane Njankouo ist Paar- und Trennungsberaterin in Köln. Ihr Lebensweg führte sie durch verschiedene Stationen kreativen Schaffens. Zunächst ließ sie als Fotografin, Regisseurin und Autorin ihrer Kreativität freien Raum, bevor sie eine Ausbildung zur Paar- und Sexualberaterin und zum systemischen Coach, Change Manager absolvierte.

 

1.      Frau Njankouo, hat sich die Liebe in Zeiten des Abstandhaltens verändert?

Absolut! Die Tatsache, dass wir uns nicht mehr berühren sollen, greift um sich – sowohl beim Kennenlernen als auch innerhalb unserer Beziehungen. 

Unsere körperlichen Kontakte reichten vom Händeschütteln über Schulterklopfen bis zu Umarmungen – und hatten bisher dazu gedient, Nähe herzustellen. Doch was machen zum Bsp. Großeltern, die jetzt ihre Enkel nicht mehr umarmen dürfen?

 

2.      Von morgens bis abends hocken wir aufeinander. Kann man in dieser Situation Konflikten mit dem Partner oder der Partnerin überhaupt aus dem Weg gehen? Und wie sollte man sich ihnen am besten stellen?

Ja, das Home-Office ist tatsächlich ein Problem, dieser Situation kann man leider kaum aus dem Weg gehen. Konflikte häufen sich, die früher unsichtbar waren. Nicht mehr aus dem Haus gehen zu können ohne eine relevante Begründung zu haben (z.B. Büro, Sportstudio oder Kneipe), macht das Zusammenleben schwieriger und kann oft auch Geheimnisse aufdecken. 

Wie sollte man mit diesen Konflikten umgehen?

Mit diesen Konflikten sollten beide Partner versuchen, in ein neues und konstruktives Miteinander zu kommen.

 

3.      Wie übersteht man in der Pandemie eine Beziehungskrise?

Am besten geht man zu einer Paartherapie.

Warum, wobei hilft die Paartherapie? Die Pandemie kann auch hilfreich sein, Probleme sichtbar zu machen, denen man sonst vielleicht nicht so schnell auf die Spur gekommen wäre. Offensichtlich treten Konflikte in der Pandemie zu Tage und machen durch den daraus fragilen Alltag die Probleme greifbarer. Dabei ist es oft sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu holen.

 

4.      Welche Wege gibt es, sich trotz Corona immer wieder neu zu begegnen und die Liebe am Leben zu halten?

In dieser Zeit sind die Menschen auf ihre Phantasie und ihren Einfallsreichtum angewiesen: Man kann zum Beispiel ein wundervolles Dinner zu Hause arrangieren, sich schön machen für den Partner, dazu Musik auflegen und vielleicht sogar miteinander tanzen.

 

5.      Reagieren Männer und Frauen unterschiedlich auf Beziehungskrisen in Zeiten von Corona?

Das glaube ich nicht, das ist keine Geschlechter-Frage sondern eher eine Typ-Frage.

 

Lohnt es sich immer für die Beziehung zu kämpfen? Oder anders gefragt – ab wann lohnt es sich nicht mehr?

Wenn Ansichten und Lebensformen absolut nicht zu vereinen sind, dann sollte man sich überlegen, ob die Beziehung überhaupt noch Sinn macht oder ob es nicht besser wäre, allein Freude und Neugier für Neues entwickeln. Nicht zu vergessen sind dabei die Kinder, die in einer spannungsgeladenen Umgebung oft die Leidtragenden sind.

 

6.      Wie hat sich Ihre Arbeit in Corona-Zeiten verändert?

Meine Arbeit hat sich seit Corona deutlich vervielfacht, da durch die schon bisher genannten Konfliktpotentiale die Nachfrage für Paartherapien enorm steigt.

  

7.      Welche Konflikte sehen Sie in Ihrer Arbeit zur Zeit am häufigsten? Gibt es bestimmte Themen, die vermehrt auftreten?

Einer der Hauptkonflikte ist Untreue bzw. Geheimnisse überhaupt: wie z.B. Spielsucht, Alkoholismus, Drogenkonsum, Abhängigkeit zu virtuellen Welten,…

Die vor der Pandemie diskret gelebten Geheimnisse werden heute leichter aufgedeckt.

             

8.      Laut zahlreicher Untersuchungen gibt es aufgrund von Corona eine Zunahme häuslicher Gewalt. Erleben Sie diese Entwicklung in Ihrer Arbeit ebenfalls?

Gewalttätige Paare nehme ich prinzipiell nicht an, diese Problematik ist so schwerwiegend, daß dies einzig und allein die Aufgabe von Psychologen und Psychiatern ist. Allerdings weiß ich natürlich sehr gut, dass sehr viel mehr Aggressivität unter den Partnern herrscht. Die Frauenhäuser sind überfüllt….

 

9.      Auch ein Seitensprung ist in diesen Zeiten schwieriger geworden. Hat das Einfluss auf unsere Partnerschaften und, wenn ja, welche?

Das ist ein zweischneidiges Schwert: einerseits sind die Möglichkeiten für einen Seitensprung schwieriger geworden, andererseits ist genau aus diesem Grund die Sehnsucht danach aber auch gewachsen. (Sex)Chats im Internet sind deshalb umso beliebter geworden.

 

10.   In der Pandemie zeigen sich verstärkt Kommunikationsschwierigkeiten, viele Paare haben sich noch weniger zu sagen als vorher, können sich aber nicht aus dem Weg gehen. Wie kann man dem entgegen steuern?

Ich denke, dass man versuchen sollte, neue Gemeinsamkeiten zu entdecken, auch wenn es schwer fällt. Die Pandemie fordert uns alle heraus und bringt uns in jeder Hinsicht an unsere Grenzen aber eben auch zu unseren Möglichkeiten. Deshalb ist sehr viel Entwicklung und Kreativität gefragt.

 

11.   Auch die Erotik leidet oftmals an der Situation. Welchen Einfluss hat die Pandemie auf unsere Libido? Wird mit Corona auch die Unzufriedenheit in der Sexualität größer?

Ich glaube schon. Wir haben viel weniger Reize, die uns stimulieren können. Das Gefühl der Freiheit ist momentan verschwunden – ich sage immer:  „das ist DDR mit Amazon!“ Die Freiheit ist momentan beschnitten, die tägliche wirtschaftliche Angst tut ihr Übriges…

 

12.   Beschleunigt Corona einen Trennungsprozess?

Das glaube ich nicht, denn oftmals sind die wirtschaftlichen Verhältnisse in diesen Zeiten unklar und sorgen schon für große Verunsicherung. Da will man nicht auch noch zusätzlich plötzlich allein und auf sich gestellt sein, der Partner gibt einem gerade jetzt Sicherheit und Stabilität. Deshalb verlaufen Trennungen eher langsamer und verhaltener.

 

Vielen Dank für das Gespräch!